Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt von Jegana Dschabbarowa

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Die Ich-Erzählerin merkt schnell, dass sie in Russland nicht dazugehört. Aber auch in Aserbaidschan, dem Land ihrer Eltern, in dem ihre Familie regelmäßig die Sommerferien verbringt, ist sie eine Fremde. Ihr Aserbaidschanisch ist nicht fließend genug, um als „wahre“ Tochter des Landes anerkannt zu werden.

Jegana Dschabbarowa erzählt in ihrem Debütroman von Diskriminierung und Fremdenhass, die sie als Mädchen und junge Frau in einer sehr konservativen und stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft erlebt hat. Und von den vielen Erwartungen, die an junge Frauen gestellt werden.

Interessant ist auch die Erzählweise, die die Autorin gewählt hat: Anhand von Körperteilen wie Augenbrauen, Augen, Haaren, Mund oder Schultern beschreibt sie anschaulich, welche Konventionen ihre Familie und die Gesellschaft als selbstverständlich ansehen, und zeigt auf, wie sie diese hinterfragt. Deutlich wird das bereits in den ersten Sätzen des Romans: „Der ovale Spiegel warf zwei große, dichte, schwarze Augenbrauen zurück, die gemäß Mutters striktem Verbot nicht gezupft werden durften. Und zwar nicht nur, weil Allah seinen Geschöpfen untersagt, irgendetwas an ihren Körpern zu verändern, sondern auch, weil ich nicht verheiratet war.“

Gleichzeitig nutzt die Autorin die Gliederung der Kapitel nach Körperteilen, um ihre Erkrankung – eine generalisierte Dystonie – zu thematisieren, die sich in starken Lähmungserscheinungen im gesamten Körper und heftigen Schmerzen äußert. Eine Erkrankung, die ihre Eltern lange nicht wahrhaben wollen, da sie das „zweifellos wichtigste Ereignis im Leben eines jeden aserbaidschanischen Mädchens“, die Hochzeit der Tochter, in immer weitere Ferne rücken lässt.

Jegana Dschabbarowa hat sich unlängst für einen ganz anderen Lebensweg entschieden, der mit den Vorstellungen ihrer Familie kaum deutlicher widersprechen könnte: Zusammen mit ihrer Frau lebt sie seit einigen Jahren in Hamburg.

Dschabbarowa, Jegana (2026): De Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt. Lizenzausgabe für die Mitglieder der Büchergilde Gutenberg Verlagsgesellschaft mbH, Frankfurt am Main, Leipzig, Wien. 139 S.