Das mangelnde Licht von Nino Haratischwili

In den 1990er-Jahren erlebte Georgien große Umbrüche: Unabhängigkeitserklärung, Kriege in Abchasien und Südossetien, bewaffnete Konflikte, den wirtschaftlichen Zusammenbruch, Armut, Bürgerkrieg und Massenflucht. Als wir das Land 2019 bereisten, war von alldem kaum noch etwas zu spüren. Stattdessen waren wir beeindruckt – fast berauscht – von der Offenheit und Schönheit Tbilisis, des Kaukasus und des Schwarzen Meeres.

In ihrem Roman „Das mangelnde Licht“ nimmt die Theaterregisseurin und Autorin Nino Haratischwili ihre Leserinnen und Leser mit in die turbulente Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Sie erzählt die Geschichte von Keto, Dina, Nene und Ira – vier Mädchen und jungen Frauen aus vier Tbilisser Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dieses Buch hat mir die jüngere georgische Geschichte so nah und eindringlich vermittelt, dass ich es nur widerwillig aus der Hand legte. Am liebsten hätte ich die 826 Seiten in einem Rutsch verschlungen. Grandios!