„Wenn wir keine Landlebewesen wären oder zumindest mal in Ruhe einen Globus betrachten würden, wäre uns schnell klar, dass der Name ‚Erde‘ für unseren Heimatplaneten eher ungeeignet ist. ‚Ozean‘, ‚Meer‘ oder ‚Wasser‘ würden besser passen, denn mehr als 70 Prozent der Oberfläche sind von Meeren bedeckt“, schreibt Frauke Fischer, Biodiversitätsexpertin und Dozentin für internationalen Naturschutz an der Universität Würzburg sowie Mitgründerin der Perú Poro GmbH in Frankfurt, in ihrer Kolumne in der Frankfurter Rundschau vom 6. Juni 2026.
Und genau darum geht es in Richard Powers‘ vielschichtigen und intelligenten Roman Das große Spiel: um das Meer und seine faszinierenden Bewohner, um Entwicklungen auf einer Insel im Südpazifik, um Macht, Einfluss und die Entstehung eines fesselnden Online-Spiels, das das Leben der Menschen nachhaltig prägt.
Die Hauptprotagonisten sind:
Rafi Young, amerikanischer Literaturwissenschaftler und Dichter,
Todd Keane, amerikanischer Softwareentwickler und Multimillionär,
Ina Aroita, Künstlerin und Tochter einer tamilischen Flugbegleiterin aus Honolulu und eines hawaiianischen Bootsmanns,
Evelyne Beaulieu, kanadische Meeresforscherin und leidenschaftliche Taucherin,
sowie Didier Turi, Bürgermeister von Makatea, einer zu Französisch-Polynesien gehörenden Koralleninsel, und einige der weniger als 100 Bewohnerinnen und Bewohner der Insel.
Ich finde das Buch sehr lesens- und empfehlenswert; wie auch die beiden weiteren Romane Das Echo der Erinnerungen und Klang der Zeit, die ich von diesem Autor bereits gelesen habe. Nach der beeindruckenden Lektüre bleibt für mich jedoch eine Frage offen: Wenn Rafi am 3. August in Urbana an einem Herzinfarkt gestorben ist, wer lebt dann mit Ina und den beiden Kindern auf Makatea? Rafi, der Wiederauferstandene? Oder der Rafi Young, der das Abschiedsgedicht für seinen an der Lewy-Körperchen-Demenz erkrankten und verstorbenen Jugendfreund und Multimillionär Todd Keane verliest?

Powers, R. (2024) Das große Spiel. München: Penguin Verlag. 509 S.
