Schlagwort: Mikrobiologie

  • Eine Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen von Florian Freistetter & Helmut Jungwirth

    Als ehemalige Protestantin aus der niedersächsischen Tiefebene hat Fronleichnam in meinem Leben keine Rolle gespielt. Das änderte sich mit meinem Umzug nach Münster in Nordrhein-Westfalen und bedeutete, einen Feiertag mehr zu haben. Doch die religiöse Bedeutung und Entstehungsgeschichte dieses Feiertags waren mir unbekannt. Das änderte sich nach der Lektüre des Kapitels „Serratia marcescens – Feiertag dank Wunderbakterien“ in diesem Buch eines Autorenduos, mit dem mich eine sehr geschätzte Kollegin zu Weihnachten überrascht hat.

    Der Astronom Florian Freistetter und der Mikrobiologe Helmut Jungwirt stellen auf sehr anschauliche und gut verständliche Weise hundert Mikroorganismen vor. Mit dabei sind so alte Bekannte wie Bifidobacterium bifidum, das alle kennen, die sich schon einmal näher mit den Angaben auf ihrem Joghurtbecher auseinandergesetzt haben, oder der Helicobacter pylori, den man nicht im Magen haben möchte, und eben die eingangs erwähnten Keime, die ein italienischer Pharmazeut im Jahr 1819 entdeckte und nach seinem Physiklehrer benannte.

    Das Bakterium Serratia marcescens ist ubiquitär, das heißt, es kommt überall vor. Es lebt im Boden, im Wasser, an Tieren und Pflanzen und bildet, während es organische Substanzen abbaut, rötliche Farbpigmente. Und eben diese sind der Grund, warum ich mich in NRW über einen zusätzlichen freien Tag freuen konnte und warum es Fronleichnam überhaupt gibt. Serratia marcescens gedeiht nämlich besonders gut auf ungesäuertem Brot, das gerne für kirchliche Zeremonien verwendet wird. Dort produziert es rötliche Farbpigmente, die für das sogenannte „Blutwunder von Bolsena“ verantwortlich sind: Während einer Messe brach ein Priester das Brot und fand darin Blutstropfen; das wurde zum Grundstein für das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.