Schlagwort: Historie

  • Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

    Am 11. Februar 1933 reist Thomas Mann mit seiner Frau Katia nach Amsterdam. Zwei Tage später wird er dort einen Vortrag über die Leiden und Größe Richard Wagners halten. Ein Vortrag, der in der Presse seines Heimatlandes nicht korrekt wiedergegeben werden und später zur Verunglimpfung Manns im nationalsozialistischen Deutschland beitragen wird.

    Auch Heinrich Mann, Thomas’ älterer Bruder, bricht im Februar 1933 auf. Für ihn geht es von Berlin in Richtung Westen – in die Emigration. Er, der offen mit den Sozialisten sympathisiert und vom französischen Botschafter André François-Poncet den Rat bekommt, Deutschland zu verlassen, „hat große Angst, noch am Bahnsteig oder an der Grenze festgenommen zu werden“.

    Aber nicht nur über die beiden berühmten Schriftstellerbrüder Thomas und Heinrich schreibt Florian Illies in „Wenn die Sonne untergeht“. Er lässt seine Leserinnen und Leser auch teilhaben an den aktuellen Ereignissen im Jahr der Machtergreifung Hitlers sowie an den Eindrücken, Gedanken und Unternehmungen von Katia, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Mann in ihrem Zufluchtsort Sanary-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste zwischen Toulon und Marseille. Dort treffen sie auf viele weitere illustre Sommergäste wie Marta und Lion Feuchtwanger, Maria und Aldous Huxley, Beatrice und Arnold Zweig sowie Bertolt Brecht.

    Florian Illies ist ein hervorragender Erzähler und Schriftsteller. Ich finde seinen aktuellen Roman äußerst packend. Zum einen, weil ich sehr viel mir bislang Unbekanntes über die einzelnen Mitglieder der Familie Mann erfahren habe. Zum anderen, weil ich während des Lesens oft innehalten musste: Nur Erika und Klaus, die beiden ältesten der Geschwister, ahnten oder sahen im Frühjahr/Sommer 1933 voraus, welche Entwicklung Deutschland nehmen und welche Konsequenzen sich daraus für sie, ihre Familie und die Gesellschaft ergeben würden.

    Ich habe diesen Roman im April 2026 gelesen – in einer Zeit mit wahnsinnigen Despoten und menschenverachtenden Regierungschefs im Westen, Osten und im „Heiligen Land“, mit Kriegen in Europa, Afrika und Asien – und immer mehr Wählerinnen und Wählern, die die AfD wählen, nicht nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

    Am 11. Februar 1933 reist Thomas Mann mit seiner Frau Katie nach Amsterdam. Zwei Tage später wird er dort einen Vortrag über die Leiden und Größe Richard Wagners halten. Ein Vortrag, der in der Presse seines Heimatlandes nicht korrekt wiedergegeben werden und später zur Verunglimpfung Manns im nationalsozialistischen Deutschland beitragen wird.

    Auch Heinrich Mann, Thomas älterer Bruder bricht im Februar 1933 auf. Für ihn geht es von Berlin in Richtung Westen –  in die Emigration. Er, der offen mit den Sozialisten sympathisiert und vom französischen Botschafter André François-Poncet den Rat bekommt, Deutschland zu verlassen, „hat große Angst, noch am Bahnsteig oder an der Grenze festgenommen zu werden“.

    Aber nicht nur über die beiden berühmten Schriftsteller Brüder Thomas und Heinrich schreibt Florian Illies in „Wenn die Sonne untergeht“. Er lässt seine Leserinnen und Leser auch teilhaben an den aktuellen Ereignissen im Jahr der Machtergreifung Hitlers und an den Eindrücken, Gedanken und Unternehmungen von Katia, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Mann in ihrem Zufluchtsort Sanary-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste zwischen Toulon und Marseilles. Dort treffen sie auf viele weitere illustre Sommergäste, wie Marta und Lion Feuchtwanger, Maria und Aldous Huxley, Beatrice und Arnold Zweig sowie Bertold Brecht.

    Florian Illies ist ein hervorragender Erzähler und Schriftsteller. Ich finde seinen aktuellen Roman äußerst packend. Zum einen, weil ich sehr viel mir bislang nicht Bekanntes über die einzelnen Mann-Familienmitglieder erfahren habe. Und zum anderen, weil ich während des Lesens oft innegehalten musste: Nur Erika und Klaus, die beiden ältesten der Geschwister, ahnten oder sahen im Frühjahr/Sommer 33 voraus, welche Entwicklung Deutschland nehmen und welche Konsequenzen sich darauf für sie, ihre Familie und die Gesellschaft ergeben würden. Ich habe diesen Roman im April 2026 gelesen: in einer Zeit, mit wahnsinnigen Despoten und menschenverachtende Regierungschefs im Westen, Osten und im „Heiligen Land“ und mit Kriegen In Europa, Afrika und Asien – und immer mehr Wählerinnen und Wählern, die die AfD wählen –  nicht nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

  • Maniac von Benjamín Labatut

    Es gibt Romane, die die Leserin oder den Leser von der ersten Zeile an in ihren Bann ziehen. MANIAC von Benjamin Labatut ist so einer. Unglaublich spannend und informativ vermittelt der 1980 geborene Autor Einblicke in die Ideen und Gedanken – nicht selten am Rande des Wahnsinns – herausragender Physiker, Mathematiker und Informatikerinnen des vergangenen Jahrhunderts.

    In den unterschiedlich langen Kapiteln

    Paul oder Die Entdeckung des Irrationalen

    John oder die Wahnträume der Vernunft

    Lee oder Die Wahngespinste der künstlichen Intelligenz

    beschreibt Labatut jeweils aus der Sicht von Weggefährtinnen und Zeitzeugen über die Errungenschaften und Taten Paul Ehrenfests, einem österreichischen Physiker, der 1933 – die drohende Gräuelherrschaft der Nazi im Blick – zuerst seinen fünfzehnjährigen Sohn Wassily und dann sich selbst erschoss, John (János oder Jancsi) von Neumann, der als der klügste Mensch des 20. Jahrhunderts und als Pionier der künstlichen Intelligenz und des Personal Computers gilt, die Spieltheorie entwickelt und an der Entwicklung der Atombombe maßgeblich beteiligt war; sowie von Lee Sedol, einem Go-Meister im Rang eines 9. Dan und seinem verlorenen Kampf gegen eine Maschine – der künstlichen Intelligenz AlphaGo.

    Noch nie habe ich während einer Buchlektüre so viel „nachgeschlagen“ (zugegeben, im Internet), um mehr zu erfahren über diese klugen Geister, von denen ich zum Teil zuvor noch nie etwas gehört hatte.

  • Einstein im Bade von Daniel Mellem

    Bad Nauheim, ein beschaulicher Kurort in Hessen, rückte im September 1920 unerwartet in den Fokus der Öffentlichkeit: Die Versammlung Deutscher Naturforscher zog über zweitausend Teilnehmende an – darunter drei Physiknobelpreisträger: Albert Einstein, Max Planck und Philipp Lenard.

    Der Roman Einstein im Bade des Physikers und Autors Daniel Melles entführt Leserinnen und Leser zurück in diese aufregende Woche – vom 19. September 1920, einem Sonntagmittag, bis zum 27. September 1920, einem Montagmorgen.

    Daniel Mellem erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Direktor Kleeberger, der in zweiter Generation das traditionsreiche Hotel Rastender Kranich führt. Im Mittelpunkt steht die neue Relativitätstheorie, die in der wissenschaftlichen Gemeinschaft für hitzige Debatten und Turbulenzen sorgt.

    Ein insgesamt unterhaltsamer, amüsanter Roman, der Wissenschaftsgeschichte lebendig werden lässt.

  • Der große Riss von Christina Henríquez

    Im Jahr 1907 sucht die Isthmische Kanalkommission „4000 tüchtige Arbeitskräfte für Panama“. Für diese „Arbeit im Paradies“ wird mit einem 2-Jahres-Vertrag, kostenloser Unterkunft und medizinischer Versorgung und 10 bis 20 Cent Lohn pro Stunde geworben. Der Aufruf zeigt Wirkung: Nicht nur aus der gesamten Karibik strömen Männer – und auch Frauen – nach Panama, um beim Bau des Kanals, der den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll, mitzuwirken.

    Christina Henríquez Erzählstil ist plastisch und so lebendig, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen mochte. Die Autorin erzählt von Francisco Aquino, einem panamaischen Fischer und seinem Sohn Omar, von Ada Bunting, einem sechzehnjährigen Mädchen aus Barbados, von Marian und John Oswald aus Tennessee und weiteren Männern und Frauen, die in Panama leben oder dem Ruf dorthin gefolgt sind und sich weder von Gelbfieber- oder Malaria-Ausbrüchen, den harten Lebensumständen in dem gerade von Kolumbien unabhängig gewordenem Land und der Knochenarbeit beim Bau des berühmten Kanals abschrecken lassen.