Schlagwort: Historie

  • Bolivianisches Tagebuch von Ernesto Che Guevara

    Er war ein eifriger Tagebuchschreiber. Das Bolivianische Tagebuch war sein letztes. Es endet mit dem folgenden Eintrag vom 7. Oktober 1967: „Ohne Komplikationen und idyllisch verging der Tag, an dem wir vor 11 Monaten unsere Guerillaaktivitäten begannen; bis um 12.30 Uhr, als eine ihre Ziege hütende Alte

    (Fußnote: Epifania Cabrera, 1967 bereits sehr alt und mittlerweile verstorben, war keine Verräterin, denn sie sprach zu keinem Zeitpunkt mit Armeeangehörigen. Sie zog sich mit ihren zwei Töchtern in die Berge zurück, aus Angst vor Repressalien der Armee, da sie die Guerilleros gut behandelt und von ihnen auch Geld erhalten hatte. Der Denunziant war Petri Peña, der mit dem Gemeindeältesten von La Higuera, Aníbal Quiroga, gesprochen hatte und dann die Armee informierte)

    in die Schlucht kam, in der wir lagerten; wir mussten sie festnehmen. … Unser Rückzugsgebiet läge zwischen den Flüssen Acero und Ort. Die Nachricht – so scheint es – soll uns irreführen. h = 2.000 m“

    Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich nicht viel über Che Guevara: ein bärtiger, Pfeife rauchender Revolutionär mit lockigem Haar, der auf Kuba Seite an Seite mit Fidel Castro für die Unabhängigkeit des Inselstaates gekämpft hat. Was ich nicht wusste: Der charismatische Revolutionär wurde im Alter von 39 Jahren von bolivianischen Soldaten erschossen, hatte neben Kuba und Bolivien auch im Kongo für die marxistisch-leninistische Revolution gekämpft, war Mediziner, genauer Chirurg, hatte vier Kinder, war zweimal verheiratet und litt unter Asthma.

    Die täglichen Tagebucheinträge in Bolivien halten für die Nachwelt fest, was Che Guevara und die kleine Gruppe von Revolutionären aus Kuba, Venezuela, Frankreich, der DDR und Bolivien erleben, „auf den langen Märschen durch zerfurchtes und schwieriges Gelände, inmitten der feuchten Wälder“ – so formuliert es Fidel Castro. Ich gebe zu, dass ich so manchen dieser Einträge nur sehr oberflächlich gelesen habe. Zu detailliert waren mir die Beschreibungen der Guerillahinterhalte sowie die vielen Namen der beteiligten Personen. Letztere werden allerdings gut in Fußnoten und im Personenregister im Anhang ausführlich erläutert.

    Von Ernesto Che Guevara sind fünf Tagebücher erschienen. The Motocycle Diary, das er 1951–1952 auf einer Reise durch Lateinamerika geschrieben hat, reizt mich zu lesen. Hier hat der aus gutem bürgerlichem Hause in Argentinien Stammende erlebt, unter welchen – zum Teil prekären Lebensumständen – Menschen in Südamerika lebten. Erfahrungen, die sein späteres Leben als sozialistischer Revolutionär offenbar sehr geprägt haben.

  • Mr. Goebbels Jazz Band von Demian Lienhard

    „Germany Calling“ war ein englischsprachiger Propagandasender des Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, der 1940 von Josef Goebbels in Berlin gegründet wurde. Sein bekanntester Sprecher war William Joyce, genannt „Lord Haw-Haw“, ein amerikanisch-irischer Faschist, der mit seinem affektierten britischen Akzent eine große Zuhörerschaft in Großbritannien und Irland erreichte. Viele hörten zu, in der Hoffnung auf Nachrichten von ihren im Krieg befindlichen Familienangehörigen, denn Kriegsgefangene konnten über diesen Sender Grüße an die Daheimgebliebenen senden, die auf ein Lebenszeichen warteten.

    Der besondere Clou: Ein von Adolf Raskin, Musikwissenschaftler und Radiointendant im Dienst der Nazis, gegründetes Jazzorchester. „Ein hauseigenes Orchester, sozusagen eine musikalische Schattenarmee, müsse her, die in der Lage sei, die Briten tag und nacht mit dem allerfeinsten Propagandajazz zu bombardieren.“ Und genau von dieser Swing-Band erzählt Demian Lienhard mit „… viel Witz und Ironie, mit Sinn für Details. Ein verrücktes Buch, das überrascht, bildet und die Wirkung und den Widersinn von Propaganda in feiner und präziser Sprache vorführt“, befindet WDR5 auf dem Klappentext sehr treffend.

    „Lord Haw-Haw“, der eingangs erwähnte Radiosprecher, wird, so erfahren die Leserinnen und Leser in den Schlussbemerkungen des Herausgebers Demian Linhard, hingerichtet: „Am 3. Januar 1946, einem grauen, verregneten Tag mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, wird William Joyce um 08:59 Uhr von drei Männern aus seiner Zelle in der Londoner Strafanstalt Wandsworth geholt und zum Galgen eskortiert, wo jene Strafe an ihm vollstreckt wird, die zuletzt auch die höchste Instanz im Land, das House of Lords, bestätigt hat: Tod wegen Hochverrats. Neun Minuten später wird am Hauptportal des Gefängnisses der Zettel mit jener Nachricht angeschlagen, auf die die rund dreihundert Schaulustigen bereits ungeduldig warten: William Joyce ist tot.“

  • Issa von Mirrianne Mahn

    Marrijoh wird 1903 in Enanga, Kamerun, geboren. Sie ist die Ururgroßmutter der Ich-Erzählerin Issa, die 2006 in der fünften Schwangerschaftswoche in ein Air-France-Flugzeug steigt, das sie nach Duala bringen wird. Zu dieser Reise hat sie ihre Mutter gedrängt, um vor der Geburt ihres ersten Kindes einige Rituale abzuschließen, die – so die starke Mutter – eine Frau vor der Geburt ihres ersten Kindes unbedingt abschließen müsse.

    Und so nimmt Mirrianne Mahn ihre Leserinnen und Leser mit nach Kamerun. In einem Kapitel erfahren wir, was Issa 2006 in ihrem zentralafrikanischen Geburtsland erlebt, denkt und fühlt; im folgenden Kapitel reisen wir zurück in das Leben ihrer Vorfahrinnen in der von den Deutschen unterdrückten Kolonie Kamerun und die Auswirkungen der beiden Weltkriege auf das Land, das 1960 seine Unabhängigkeit erlangte. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Kamerun in den Besitz des Völkerbundes über, der ein Mandat zur Verwaltung des Landes an Frankreich und Großbritannien vergab. Daher hat Kamerun bis heute mit Französisch und Englisch zwei Amtssprachen, neben dem kamerunischen Pidgin-Englisch und Camfranglais.

    Mir gefiel nicht nur Mirriane Mahns flüssig-lockerer Schreibstil sehr gut, sondern auch die Geschichte ihrer Protagonistin sowie die ihrer Ahninnen – mit, so nehme ich an, starken autobiografischen Zügen – haben mich in den Bann gezogen. Ein sehr lesenswerter Roman.

  • Kind Nr. 95 von Lucia Engombe

    Vietnam, Kuba, Namibia und Mosambik waren die sozialistischen Brüderstaaten der DDR. Um den Kampf der SWAPO (Party of Namibia, ehemals South-West Africa People’s Organisation) für die Unabhängigkeit von Südafrika zu unterstützen, wurde Lucia Engombe als siebenjähriges Mädchen völlig überraschend und ohne ihre Eltern und Geschwister in die DDR ausgeflogen. Dort lebte sie in einem Schloss in Bellin, Mecklenburg-Vorpommern, zusammen mit weiteren Kindern aus Namibia. Die 80 Kinder sollten im sozialistischen Deutschland zur „neuen Elite“ des unabhängigen Namibias herangezogen werden.

    Im November 1989 finden in Namibia freie Wahlen statt. Die Wahlbeteiligung beträgt 97 Prozent: Die SWAPO gewinnt 57 Prozent der Stimmen. Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer. Im darauffolgenden Sommer werden 425 namibische Kinder aus der DDR zurück nach Namibia geflogen. Lucia Engombe – Kind Nummer 95 – kommt zurück in ein Land, das sie kaum kennt. Auch ihre Mutter und ihre Geschwister sind ihr fremd. Sie macht Abitur an der Deutschen Oberschule in Windhoek und macht sich als junge Frau auf die Suche nach ihrem Vater. Dieser, so hatte man ihr in der DDR immer wieder gesagt, habe die SWAPO verraten und sei tot.

    Offen und detailliert vermittelt Lucia Engombe in „Kind Nr. 95“ Einblicke in ihr Leben als Kind und Jugendliche in der DDR und Namibia. Am Ende des Romans, der nahezu einem Tagebuch gleicht, zeichnet die Autorin die sich kreuzenden „Schicksalslinien“ des deutschen und namibischen Volkes von 1883 bis 2005 nach.

  • Mama, lern bitte Deutsch von Tahsim Durgun

    In „Mama, lern bitte Deutsch“ lässt Tahsim Durgun seine Leserinnen und Leser teilhaben an dem Leben einer yezidischen Familie in Norddeutschland. Genauer gesagt in Oldenburg, Niedersachsen. Als der Autor in unserer gemeinsamen Heimatstadt geboren wurde, hatte ich diese bereits verlassen und war weiter gen Norden gezogen.

    Der auf Social Media sehr bekannte Autor – laut Klappentext hat er dort Hunderttausende Follower – studiert Lehramt für Deutsch und Geschichte. Sein Wissen lässt er in dem ansonsten locker und flockig geschriebenen autobiografischen Roman über seine Kindheit und Jugend in Oldenburg am Ende jedes Kapitels einfließen: Was man unter Alliteration, Metapher, Nomen, Plural, Fremdwort und Kompositum versteht, erfahren seine Mutter, an die er zu Beginn der Kapitel die jeweilige Frage richtet („Mama, was ist eine Alliteration?“), und seine Leserschaft jeweils zum Ende eines Kapitels.

    „Mama, bitte lern Deutsch“ vermittelt nicht nur Einblicke in das Leben einer yezidischen Familie in Deutschland, sondern verdeutlicht auch anschaulich, welche Hürden und Schwierigkeiten Menschen erleben, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und nun in Deutschland leben.

    Lesenswert! Und: Bei meinem nächsten Besuch in Oldenburg werde ich mal wieder an den „Borni“, den Bornhorster See, fahren. Danke, Tahsim Durgun, für diese Erinnerung – ich war schon lange nicht mehr dort.

  • Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

    Am 11. Februar 1933 reist Thomas Mann mit seiner Frau Katia nach Amsterdam. Zwei Tage später wird er dort einen Vortrag über die Leiden und Größe Richard Wagners halten. Ein Vortrag, der in der Presse seines Heimatlandes nicht korrekt wiedergegeben werden und später zur Verunglimpfung Manns im nationalsozialistischen Deutschland beitragen wird.

    Auch Heinrich Mann, Thomas’ älterer Bruder, bricht im Februar 1933 auf. Für ihn geht es von Berlin in Richtung Westen – in die Emigration. Er, der offen mit den Sozialisten sympathisiert und vom französischen Botschafter André François-Poncet den Rat bekommt, Deutschland zu verlassen, „hat große Angst, noch am Bahnsteig oder an der Grenze festgenommen zu werden“.

    Aber nicht nur über die beiden berühmten Schriftstellerbrüder Thomas und Heinrich schreibt Florian Illies in „Wenn die Sonne untergeht“. Er lässt seine Leserinnen und Leser auch teilhaben an den aktuellen Ereignissen im Jahr der Machtergreifung Hitlers sowie an den Eindrücken, Gedanken und Unternehmungen von Katia, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Mann in ihrem Zufluchtsort Sanary-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste zwischen Toulon und Marseille. Dort treffen sie auf viele weitere illustre Sommergäste wie Marta und Lion Feuchtwanger, Maria und Aldous Huxley, Beatrice und Arnold Zweig sowie Bertolt Brecht.

    Florian Illies ist ein hervorragender Erzähler und Schriftsteller. Ich finde seinen aktuellen Roman äußerst packend. Zum einen, weil ich sehr viel mir bislang Unbekanntes über die einzelnen Mitglieder der Familie Mann erfahren habe. Zum anderen, weil ich während des Lesens oft innehalten musste: Nur Erika und Klaus, die beiden ältesten der Geschwister, ahnten oder sahen im Frühjahr/Sommer 1933 voraus, welche Entwicklung Deutschland nehmen und welche Konsequenzen sich daraus für sie, ihre Familie und die Gesellschaft ergeben würden.

    Ich habe diesen Roman im April 2026 gelesen – in einer Zeit mit wahnsinnigen Despoten und menschenverachtenden Regierungschefs im Westen, Osten und im „Heiligen Land“, mit Kriegen in Europa, Afrika und Asien – und immer mehr Wählerinnen und Wählern, die die AfD wählen, nicht nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

    Am 11. Februar 1933 reist Thomas Mann mit seiner Frau Katie nach Amsterdam. Zwei Tage später wird er dort einen Vortrag über die Leiden und Größe Richard Wagners halten. Ein Vortrag, der in der Presse seines Heimatlandes nicht korrekt wiedergegeben werden und später zur Verunglimpfung Manns im nationalsozialistischen Deutschland beitragen wird.

    Auch Heinrich Mann, Thomas älterer Bruder bricht im Februar 1933 auf. Für ihn geht es von Berlin in Richtung Westen –  in die Emigration. Er, der offen mit den Sozialisten sympathisiert und vom französischen Botschafter André François-Poncet den Rat bekommt, Deutschland zu verlassen, „hat große Angst, noch am Bahnsteig oder an der Grenze festgenommen zu werden“.

    Aber nicht nur über die beiden berühmten Schriftsteller Brüder Thomas und Heinrich schreibt Florian Illies in „Wenn die Sonne untergeht“. Er lässt seine Leserinnen und Leser auch teilhaben an den aktuellen Ereignissen im Jahr der Machtergreifung Hitlers und an den Eindrücken, Gedanken und Unternehmungen von Katia, Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael Mann in ihrem Zufluchtsort Sanary-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste zwischen Toulon und Marseilles. Dort treffen sie auf viele weitere illustre Sommergäste, wie Marta und Lion Feuchtwanger, Maria und Aldous Huxley, Beatrice und Arnold Zweig sowie Bertold Brecht.

    Florian Illies ist ein hervorragender Erzähler und Schriftsteller. Ich finde seinen aktuellen Roman äußerst packend. Zum einen, weil ich sehr viel mir bislang nicht Bekanntes über die einzelnen Mann-Familienmitglieder erfahren habe. Und zum anderen, weil ich während des Lesens oft innegehalten musste: Nur Erika und Klaus, die beiden ältesten der Geschwister, ahnten oder sahen im Frühjahr/Sommer 33 voraus, welche Entwicklung Deutschland nehmen und welche Konsequenzen sich darauf für sie, ihre Familie und die Gesellschaft ergeben würden. Ich habe diesen Roman im April 2026 gelesen: in einer Zeit, mit wahnsinnigen Despoten und menschenverachtende Regierungschefs im Westen, Osten und im „Heiligen Land“ und mit Kriegen In Europa, Afrika und Asien – und immer mehr Wählerinnen und Wählern, die die AfD wählen –  nicht nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

  • Maniac von Benjamín Labatut

    Es gibt Romane, die die Leserin oder den Leser von der ersten Zeile an in ihren Bann ziehen. MANIAC von Benjamin Labatut ist so einer. Unglaublich spannend und informativ vermittelt der 1980 geborene Autor Einblicke in die Ideen und Gedanken – nicht selten am Rande des Wahnsinns – herausragender Physiker, Mathematiker und Informatikerinnen des vergangenen Jahrhunderts.

    In den unterschiedlich langen Kapiteln

    Paul oder Die Entdeckung des Irrationalen

    John oder die Wahnträume der Vernunft

    Lee oder Die Wahngespinste der künstlichen Intelligenz

    beschreibt Labatut jeweils aus der Sicht von Weggefährtinnen und Zeitzeugen über die Errungenschaften und Taten Paul Ehrenfests, einem österreichischen Physiker, der 1933 – die drohende Gräuelherrschaft der Nazi im Blick – zuerst seinen fünfzehnjährigen Sohn Wassily und dann sich selbst erschoss, John (János oder Jancsi) von Neumann, der als der klügste Mensch des 20. Jahrhunderts und als Pionier der künstlichen Intelligenz und des Personal Computers gilt, die Spieltheorie entwickelt und an der Entwicklung der Atombombe maßgeblich beteiligt war; sowie von Lee Sedol, einem Go-Meister im Rang eines 9. Dan und seinem verlorenen Kampf gegen eine Maschine – der künstlichen Intelligenz AlphaGo.

    Noch nie habe ich während einer Buchlektüre so viel „nachgeschlagen“ (zugegeben, im Internet), um mehr zu erfahren über diese klugen Geister, von denen ich zum Teil zuvor noch nie etwas gehört hatte.

  • Einstein im Bade von Daniel Mellem

    Bad Nauheim, ein beschaulicher Kurort in Hessen, rückte im September 1920 unerwartet in den Fokus der Öffentlichkeit: Die Versammlung Deutscher Naturforscher zog über zweitausend Teilnehmende an – darunter drei Physiknobelpreisträger: Albert Einstein, Max Planck und Philipp Lenard.

    Der Roman Einstein im Bade des Physikers und Autors Daniel Melles entführt Leserinnen und Leser zurück in diese aufregende Woche – vom 19. September 1920, einem Sonntagmittag, bis zum 27. September 1920, einem Montagmorgen.

    Daniel Mellem erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Direktor Kleeberger, der in zweiter Generation das traditionsreiche Hotel Rastender Kranich führt. Im Mittelpunkt steht die neue Relativitätstheorie, die in der wissenschaftlichen Gemeinschaft für hitzige Debatten und Turbulenzen sorgt.

    Ein insgesamt unterhaltsamer, amüsanter Roman, der Wissenschaftsgeschichte lebendig werden lässt.

  • Der große Riss von Christina Henríquez

    Im Jahr 1907 sucht die Isthmische Kanalkommission „4000 tüchtige Arbeitskräfte für Panama“. Für diese „Arbeit im Paradies“ wird mit einem 2-Jahres-Vertrag, kostenloser Unterkunft und medizinischer Versorgung und 10 bis 20 Cent Lohn pro Stunde geworben. Der Aufruf zeigt Wirkung: Nicht nur aus der gesamten Karibik strömen Männer – und auch Frauen – nach Panama, um beim Bau des Kanals, der den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll, mitzuwirken.

    Christina Henríquez Erzählstil ist plastisch und so lebendig, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen mochte. Die Autorin erzählt von Francisco Aquino, einem panamaischen Fischer und seinem Sohn Omar, von Ada Bunting, einem sechzehnjährigen Mädchen aus Barbados, von Marian und John Oswald aus Tennessee und weiteren Männern und Frauen, die in Panama leben oder dem Ruf dorthin gefolgt sind und sich weder von Gelbfieber- oder Malaria-Ausbrüchen, den harten Lebensumständen in dem gerade von Kolumbien unabhängig gewordenem Land und der Knochenarbeit beim Bau des berühmten Kanals abschrecken lassen.