In ihrem neuen Buch skizziert Dörte Hansen die Bewohner und Bewohnerinnen einer Nordseeinsel. Ich lese über das Leben von Ryckmer, Hanne, Eske, Jens und Pastor Lehmann und bin sofort da. Habe die rauhe See und das besondere Licht des Nordens vor Augen, rieche die frische Seeluft, höre die Möwen kreischen und die Leute Platt schnacken.
Mit rasanter Geschwindigkeit beginnt „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse. Bereits im Prolog skizziert Menasse sechs Protagonisten und ein durch Brüssel pesendes Schwein. In den folgenden zehn Kapiteln und dem Epilog geht es um Europa, die Vergangenheit, Zukunft, Vergänglichkeit, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und um 🐷🐷. Mehr möchte ich hier nicht verraten, aber die Lektüre empfehlen.
Ayoola und Korede – zwei ungleiche Schwestern in Lagos. Skurril, unterhaltsam und spritzig. Die New York Times bezeichnet den Debutroman von Oyinkan Braithwaite als „böse funkelnd“. Das trifft‘s genau, finde ich.
In ‚Lektionen‘ zeichnet Ian McEwan ein Bild über das Leben des Protagonisten Roland: „Von der Suez- über die Kubakrise, den Fall der Berliner Mauer bis hin zur Pandemie und Klimawandel“. Ein Leben, überschattet von Erfahrungen mit der übergriffigen Klavierlehrerin seiner Kindheit.
Dramatisch, brutal und abgrundtief böse: Ian Mc Guire schreibt in ‚Nordwasser‘ von Ereignissen und Schicksalen von Menschen und Tieren auf einem Walfangschiff im Nord-Polarmeer. Erschütternd, spannend und sehr lesenswert.
frankfurtliesteinbuch In jedem Frühjahr aufs Neue: Eine richtig gute Aktion! „Zebras im Schnee“ thematisiert das Stadtplanungsprogramm ‚Neues Frankfurt‘ in der Zeit von Ernst May und Martin Elsässer. Das fand ich interessant. Die Protagonistinnen Ella und Franziska dagegen sind für mich eher farblos geblieben. Die Dialoge habe ich häufig als aufgesetzt und wenig authentisch empfunden. Florian Wackers Schreibstil hat mich nicht mitgerissen. Aber natürlich lese ich jedes Jahr mit, wenn es wieder heißt Frankfurt liest ein Buch!
Rüstem weiß nicht, dass seine Großmutter Armenierin ist. Auch sein Vater Mirza erfährt das Geheimnis seiner Mutter erst nach deren Tod. Yavuz Ekinci erzählt in ‚Das ferne Dorf meiner Kindheit‘ generationsübergreifend von kurdischen, türkischen und armenischen Menschen in einem Bergdorf im Südosten der Türkei.
Leïla Slimani beschreibt in „All das zu verlieren“ (im Original: „Dans le jardin de l‘ogre“) die tragische, sexuelle Obsession Adèles, einer jungen Journalistin in Paris, der die Kontrolle über ihr Leben entgleitet. Abgründig, tiefgehend, voller Spannungen, empfehlenswert.
Saleit Shahaf Poleg, Schriftstellerin, Redakteurin und Uni-Dozentin aus Be‘er-Sheva, Israel, erzählt in ‚Bis es wieder regnet‘ eine Familiengeschichte in einem Siedlungsdorf über einen Zeitraum von hundert Jahren.
T.C. Boyle ist seit langem einer meiner Lieblingsautoren. Der Autor aus Peekskill, N.Y. beschreibt in ‚Blue Skies‘ meisterhaft ein nicht unwahrscheinliches Zukunftsszenario. Er lässt uns eintauchen in die Leben von Cat, Besitzerin einer Königspython und Instagram-Gefangenen, Cooper, ihrem Bruder, ein Insektenforscher mit amputiertem Arm, deren Mutter Ottilie sowie weiteren Freunden und Familienangehörigen, die auf unterschiedlichste Weise mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert werden.