Schlagwort: Biografie

  • Die Netanjahus von Joshua Cohen

    Benjamin Netanyahu ist zehn Jahre alt, als sein Vater im Winter 1959/1960 zu einem Vorstellungsgespräch an die Corbin University, New York, eingeladen wird. Den Vater, ein Experte für das Judentum im mittelalterlichen Iberien, begleiten auf dieser Mission nicht nur Benjamin, sondern auch sein älterer BruderJonathan, der siebenjährige Iddo und Zila, seine Ehefrau.

    Ich-Erzähler Ruben Blum ist Historiker an eben jener Bildungseinrichtung. Er ist ein jüdischer Historiker, aber „kein Historiker, der sich mit jüdischer Geschichte befasst“. Er ist wenig erfreut, als er vom Dekan der Corbin den Auftrag erhält, in einer Kommission über die Festanstellung Ben-Zion Netanjahus mit zu entscheiden. Noch dazu kommt es unglücklicherweise dazu, dass Blum und seine Familie zu unfreiwilligen Gastgebern der Familie Netanyahu werden. An einem verschneiten Winterabend beginnt das Grauen für die Familie Blum: „Das Auto war ein wüstengelber verrosteter Ford aus den Vierzigern, Pontonkarrosserie, stromlinienförmig und, das muss man sagen, schnittig für seine Zeit, die aber, als der Wagen unsere Straße entlangschlitterte, längst abgelaufen war“. In dem Ford: Die fünf Netanjahus. „Fünf identische Fellmäntel mit Knebelknöpfen, hoffentlich mit ordentlichem Mengenrabatt erworben. Während die Kinder in höchstens Alarmzustand um das Auto rasten, Schneebälle warfen und ihnen auswichen, hob einer der Erwachsenen das Haupt zum Himmel und schrie in der Sprache, die in meiner Jugend Gott gesprochen hatte. Sie – denn es war der Schrei einer Frau – musste den Kindern gesagt haben, mit dem Gerenne aufzuhören und endlich still zu sein. Dies war meine erste Begegnung mit den Netanjahus, mit der gesamten Familie: de ganze Mischpoche.“

    So geht es weiter und – das sei vorweggenommen – dieser Roman lässt kein gutes Haar an den Netanjahus. Als Leserin dieses intelligenten und schwungvoll geschriebenen Buches habe ich mich oft gefragt: Mein Gott, beruht diese Erzählung auf wahren Begebenheiten oder entspringt sie ausschließlich der Fantasie des Träger des Pulitzer-Preises 2022, Joshuar Cohen?! Ein Blick auf „Abspann & Gastauftritte“ am Endes des Buches und auf Google-Ergebnisse bestätigten ersteres.

  • Spuren von Robyn Davidson

    Man sieht es dem Titelblatt an: Dieses Buch habe ich nicht erst kürzlich gelesen. Es begleitete mich 1992 auf meiner Reise durch Australien zusammen mit meiner Freundin Uta, nachdem wir unser Studium der Ökotrophologie in Kiel abgeschlossen hatten.
    Robyn Davidson beschreibt in ‚Spuren‘, wie sie alleine und zu Fuß, nur mit Kamelen und ihrem Hund, die australische Wüste durchquert. Sie startet im Glen Helen Tourist Camp in der Nähe von Alice Springs im Northern Territory und erreicht nach einem abenteuerlichen Weg schließlich Hamelin Pool am Indischen Ozean, Western Australia. Utis und meine Reise begann in Perth, am Indischen Ozean und führte uns über Darwin und Katherine (Northern Territory) schließlich nach Port Douglas, die Whitsundays und viele weitere Orte in Queensland bis nach Sydney. 

  • Sie kam aus Mariupol von Natascha Woden

     In „Sie kam aus Mariupol“ erzählt Natascha Wodin vom Leben ihrer Mutter, die als junge Frau während der NS-Zeit als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. DIE ZEIT schreibt sehr zutreffend über das Buch: „Die katastrophalen Geschichtsbrüche des 20. Jahrhunderts werden en miniature verhandelt, aber mit existenzieller Wucht.“

  • Besser allein als in schlechter Gesellschaft von Adriana Altaras

    Nach ‚Titos Brille‘ und ‚Doitscha‘ ist ‚Besser allein als in schlechter Gesellschaft‘ das dritte Buch, das ich von Adriana Altaras gelesen habe. Auch dieses ist sehr autobiografisch und persönlich. Die Autorin erzählt von ihrer Tante in Italien, die unglaubliche 101 Jahre alt wurde – trotz spanischer Grippe, KZ, norditalienischer Schwiegermutter und Isolation während der Pandemie. 

  • Der Buchhändler von Kabul von Åsne Seierstad

    Der Buchhändler von Kabul ist ein Roman von von Åsne Seierstad, einer Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin aus Oslo, die fünf Monate mit der Familie eines Buchhändlers in Kabul zusammengelebt hat und detaillierte Einblicke in das Familienleben gewährt.

  • Im Meer schwimmen Krokodile von Fabio Geda und Enaiatollah Akbari

    „Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass sie wirklich weggeht“. Als er zehn Jahre alt ist, bringt ihn seine Mutter über die Grenze nach Quetta in Pakistan und geht zurück nach Afghanistan. Von diesem erschütternden Tag an, ist Enaiatollah, dessen Familie den von den Taliban verfolgten Hazara angehört, ein unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling. Enaiatollah Albari aus Nawa, Afghanistan, und Fabio Geda aus Turin, Italien, erzählen in „Im Meer schwimmen Krokodile“ von der Flucht Enaiatollahs aus dem Osten Afghanistans über Pakistan, Iran, Türkei, das Mittelmeer, Griechenland bis nach Italien. Zutiefst bewegend, eindringlich und erschütternd. Dieses Buch sollten so viele Menschen, wie möglich lesen.