Kategorie: Schweiz

  • Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger

    Alles bleibt im Konjunktiv. Ich war froh, die letzte Seite dieser fast ausschließlich in der Möglichkeitsform geschriebene Erzählung erreicht zu haben. Das Lesen dieses mit dem Buchpreis 2025 ausgezeichneten Romans hat mir keine Freude bereitet.

    Ein Theatermacher kommt auf die Idee, das Verschwinden zweier junger Frauen aus Leiden in den Tropen Lateinamerikas – ein Fall der ungelöst blieb – mit einer Theatergruppe vor Ort nachzuempfinden. Die Erzählerin, die als Protokollantin dieses Projekt begleitet, bietet ihre Notizen einem Auditorium dar.

    Der Text ist gespickt mit zahlreichen Zitaten – auch auf Englisch und Spanisch – und enthält ebensoviele Verweise auf literarische Werke diverser Autoren und Regisseure Walter Benjamin, Nikolai Lesskow und Werner Herzog seinen hier exemplarisch genannt. Womit wir wieder beim Konjunktiv sind…

  • Herr Klee und Herr Feld von Michel Bergmann

    Sechs Bücher von einem Autor in fünf Monaten lesen? Das ist – soweit ich mich erinnern kann – eine Premiere in meinem Leseleben. Aber Michel Bergmanns erfrischender Schreibstil, seine Erzählkunst, Themenauswahl und sein Humor haben mir so gut gefallen, dass ich nach der Lektüre von ‚Herr Klee und Herr Feld‘ sogleich auch ‚Die Teilacher‘, ‚Machloikes‘ (Band eins und zwei der Trilogie um jüdisches Leben in Frankfurt am Main), ‚Alles was war‘, ‚Weinhebers Koffer‘ und ‚Mameleben‘, ein Buch über Michel Bergmanns Mutter, die 1945 in einem Internierungslager in der Schweiz zur Welt gebracht hat, gelesen habe.

    Am besten gefallen hat mir der hier im Titel genannte Roman, Band drei der Trilogie. Er handelt von zwei leicht schrulligen älteren Brüdern: Der eine, Moritz, ein emeritierter Professor und praktizierender Jude, der andere ein ehemaliger Schauspieler in mittelmäßigen Dracula-Filmen.

    Und so beginnt er:
    „Meine Herren! Ich werde Sie verlassen! Moritz starrte sie an. Sein Löffel sank in die Suppe. Aber Frau Stöcklein. Warum denn, um Himmels willen? Alfred schaute nur kurz hoch und aß dann weiter. Die Haushälterin blickte verlegen auf ihre Hände. Ich bin heute fünfundsechzig und …

    Alles Gute. Alles, alles Gute. Sie dürfen sich etwas wünschen. Ein Kochbuch, murmelte Alfred kauend. Moritz schaute zu seinem Bruder. Hast du etwas gesagt? Alfred sah Frau Stöcklein an. Kann ich den Pfeffer haben? Solange Sie noch unter uns weilen?“


    Leider ist Michel Bergmann im Juni 25, während ich ‚Herr Klee und Herr Feld‘ las, verstorben.