Kategorie: Europa

  • 1945 von Volker Heise

    Brigitte Eicke ist eine Sekretärin in Berlin, Traudl Junge Hitlers Sekretärin im sogenannten Adlerhorst, Kurt Vonnegut, genannt Billy, ein Soldat der US-Armee in den Ardennen, Helmut James Graf von Moltke, ein inhaftierter Widerstandskämpfer in Berlin, Yves Béon, ein KZ-Häftling in Mittelbau-Dora und Georgi Konstantinowitsch Schukow ist ein Marschall der Roten Armee in Berlin. Diese sechs Personen sind nur einige, aus deren Sicht Volker Heise, ein Regisseur, Dramaturg, Produzent und Dokumentarfilmer, in dieser Chronik das Jahr 1945 Revue passieren lässt.

  • Die Wilden – Eine französische Hochzeit von Sabri Louatah

    Le Figaro hat über diesen Roman geschrieben, er sei ein fesselndes Panorama der Entrechteten Frankreichs. ‚Die Wilden‘ ist der erste Band der Trilogie von Sabri Louatah und hat 702 Seiten. Es ist so spannend geschrieben, dass man die Geschichte der Familie Nerrouche aus Saint-Étienne liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Jedenfalls ging es mir so. Band 2 ‚Die Wilden – Brüder und Feinde‘ und Band 3 ‚Die Wilden – Familientreffen‘ habe ich auch gelesen, aber der erste Band ist mein Favorit.

  • Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor von Steffen Schroeder

    Max Planck, der große Wissenschaftler aus Kiel, 1918 ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Physik, steht als alter Mann vor einer der wohl größten Herausforderung seines Lebens: Hitlers Reichskulturkammer fordert ihn auf, einen Beitrag zur Broschüre „Bekenntnis zum Führer“ zu verfassen. Erwin Planck, sein Sohn und Widerstandskämpfer, ist vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden. Der Vater verweigert das Bekenntnis.

    Aber nicht nur über das Leben und Wirken des Nobelpreisträgers Planck habe ich in diesem Roman vieles erfahren, sondern ebenfalls über Plancks Weggefährten Albert Einstein, der in Princeton lehrt, während sein Sohn Eduard in Burghölzli, einer Heilanstalt in Zürich, haarsträubende ‚Behandlungen‘ über sich ergehen lassen muss.

    Der Roman hat mich sehr gefesselt.

  • Trophäe von Gaea Schoeters

    Dass Löwen dreimal mit der Schwanzspitze wackeln bevor sie angreifen und Nashörner ihre unglaublich guten aber sehr kleinen Ohren unabhängig voneinander bewegen können, wusste ich vor der Lektüre dieses Buches nicht. Überhaupt hatte ich mir um das Thema Jagen bislang wenig Gedanken gemacht. Dank Gaea Schoeters, einer flämischen Autorin, Journalistin, Librettistin und Drehbuchautoren weiß ich nun, was man unter den den „Big Five“ versteht und habe schockiert weitergelesen, als in diesem Roman die „Big Six“ thematisiert werden. In ‚Trophäen“ geht es um viel mehr als nur die Großwildjagd. Es geht um den Wechsel von Perspektiven, um Notwendigkeiten und Eigennutz, um Moral und die Folgen der Kolonialzeit.

  • Immun von Philipp Dettmer

    Per Anhalter durchs Immunsystem
    Philipp Dettmer? Noch nie gehört! Den YouTube 
    Kanal „kurzgesagt – in a nutshell“ noch nie gesehen? Dann geht es dir wie mir. Durch Zufall stoße ich auf das neu erschienene Buch mit dem kurzen Titel „Immun“. Geschrieben hat es der Münchener Informationsdesigner Philipp Dettmer. Auf Social Media ist er längst kein Unbekannter. Sein Kanal zählt mittlerweile 15 Millionen AbonntenInnen.

    ‚Immun‘ ist Dettmers erstes Buch. Der Wissenschaftsblogger bezeichnet sich selbst als „einen großen Fan des Immunsystems“ und das spürt man von der ersten bis zur vierhundertzweiunddreißigsten Seite dieses Sachbuches. Es ist so unterhaltsam und spannend geschrieben, dass ich es als Wissenschaft-Krimi bezeichnen möchte.

    „Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und du fühlst dich nicht gut. Nervige Halsschmerzen, laufende Nase, leichter Husten“. So beginnt Dettmer sein Werk und der/die geduzte LeserIn möchte wissen, wer den im Folgenden beschriebenen Kampf letztendlich gewinnen wird: „Die Eindringlinge“, Bakterien, Viren. Parasiten oder das „unsichtbare Killerheer“ (Komplementärstem), die „Mordspezialisten“ (Killer-T-Zellen) , die „Scharfschützen“ (Antikörper) und weitere Superwaffen, die deinem Körper bei Angriffen aus der Umwelt zur Verfügung stehen.

    Nach und nach nimmt Dettmer dich mit auf Entdeckungstour durch dein angeborenes und adaptiertes Immunsystem und stellt dir die Zellen deines Abwehrsystems so plastisch vor, dass du schon nach ein paar Kapseln das Gefühl hast, über die „gruseligen Typen“ in dir (Killerzellen), deine körpereigenen Killer-Universität (Thymus) und die Karrierewege deiner B-Zellen genau Bescheid zu wissen.

    Dabei schreckt der Autor auch nicht davor zurück, dir äußerst komplexe Zusammenhänge plastisch vor Augen zu führen. Das macht er indem er zum Beispiel die Funktion des sogenannten MHC-Moleküls der Klasse II (Haupthistokompatibilitätskomplex) anschaulich als „Hotdog-Brötchen“ bezeichnet. Das MHC-Molekül ist das Brötchen, das Antigen der Hotdog.

    Schön und gut beschrieben, aber du gehörst eher zu den visuellen Typen? Auch diese kommen in „Immun“ voll auf ihre Kosten. Philipp Laibchen, Chef-Kreativdürektor des bereits erwähnten YouTube-Kanals steuert 44 farbige Illustrationen bei, auf denen die multiplexe Welt unseres beeindruckenden Immunsystems bunt zur Geltung kommt.

    „Immun“ ist unterhaltsam und lehrreich: Für alle, die gerade in Zeiten einer Pandemie wissen wollen, wie das Immunsystem funktioniert, wie Impfungen wirken oder was bei Autoimmunerkrankungen falsch läuft. Aber auch für diejenigen, die bereits über ein gewisses Vorwissen verfügen, aber ihre Kenntnisse in der Immunologie auf den neusten Stand bringen möchten.
    23.2.2022

  • Der Morgenstern von Karl Ove Knausgård

    Konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen. 890 Seiten, eine Woche. Danke, meine liebe Jutt! 

  • Houwelandt von John von Düffel

    John von Düffel kenne ich aus unserer gemeinsamen Schulzeit auf der Cäcilienschule in Oldenburg. Jetzt schätze ich ihn als Autor wasseraffiner Romane. Houwelandt habe ich mit höchstem Genuss gelesen. Schreib bitte weiter, John!

  • Zur See von Dörte Hansen

    In ihrem neuen Buch skizziert Dörte Hansen die Bewohner und Bewohnerinnen einer Nordseeinsel. Ich lese über das Leben von Ryckmer, Hanne, Eske, Jens und Pastor Lehmann und bin sofort da. Habe die rauhe See und das besondere Licht des Nordens vor Augen, rieche die frische Seeluft, höre die Möwen kreischen und die Leute Platt schnacken.

  • Himmel über Charkiw von Serhij Zhadan

    Die Lektüre dieses Buches wühlt mich auf. Serhlj Zhadan und die BewohnerInnen Charkiws beeindrucken mich sehr.

  • Kummer aller Art von Mariana Leky

    Ich bin keine große Freundin von Kurzgeschichten. Diese von Mariana Leky fand ich allerdings sehr unterhaltsam und amüsant. Ich habe diese vielseitigen Geschichten mit Genuss gelesen. Sie sind, bevor sie zu diesem Buch wurden, als literarische Kolumnen in ‚Psychologie heute‘ erschienen.

  • Sie kam aus Mariupol von Natascha Woden

     In „Sie kam aus Mariupol“ erzählt Natascha Wodin vom Leben ihrer Mutter, die als junge Frau während der NS-Zeit als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. DIE ZEIT schreibt sehr zutreffend über das Buch: „Die katastrophalen Geschichtsbrüche des 20. Jahrhunderts werden en miniature verhandelt, aber mit existenzieller Wucht.“

  • Die Hauptstadt von Robert Menasse

    Mit rasanter Geschwindigkeit beginnt „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse. Bereits im Prolog skizziert Menasse sechs Protagonisten und ein durch Brüssel pesendes Schwein. In den folgenden zehn Kapiteln und dem Epilog geht es um Europa, die Vergangenheit, Zukunft, Vergänglichkeit, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und um 🐷🐷. Mehr möchte ich hier nicht verraten, aber die Lektüre empfehlen.